Center for Advanced Studies LMU (CAS)
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Dr. Kay Wolfinger

Wintersemester 2019/20

Kay Wolfinger – PortraitKay Wolfinger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Neueren deutschen Literaturwissenschaft an der LMU München. Nach seinem Studium der Germanistik und Kunstgeschichte in München und Zürich wurde er 2014 mit einer Arbeit zur schweizerischen Literatur und zur Kontexttheorie promoviert ("Verstehen Sie den Zusammenhang?" Robert Walser im Kontext).

Sein Habilitationsprojekt geht von der Annahme aus, dass eine kulturgeschichtliche und theoretisch fundierte Figur des 'Geistersehers' existiert. Damit nimmt es seinen Ausgangspunkt beim Romanfragment Friedrich Schillers, um fortan zu fragen, wo sich in der Literatur- und Mediengeschichte die Geisterseher verbergen. Dabei wird der Begriff der Geisterseherei zuerst eng geführt, um schließlich allgemein aufgebrochen zu werden:

  1. Was bedeutet es, Geister zu sehen und wie und warum ereignet sich dies in ausgewählten Texten?
  2. Wie kann man den Begriff der Geisterseherei insofern erweitern, dass das Geister-Sehen bedeutet, Unsichtbares generell sichtbar zu machen bzw. diese Grenzzone zwischen Verschwinden, Nichtbeobachtbarkeit und (Wieder-)Sichtbarwerdung zu funktionalisieren und zu deuten?

Ziel dieses Projektes ist der Nachweis, dass die Figur des Geistersehers und das Thema der Geisterseherei omnipräsent sind in der Kulturgeschichte und dass durch Analyse einer zuvor bestimmten Auswahl an Geistersichtungstexten zentrale Konstituenten der Medienkultur sichtbar werden: dass nämlich in der Figuration der Geisterseherei das zentrale anthropologische Thema von Sichtbarmachung und Unsichtbarwerdung angelegt ist, in dem sich im Grunde genommen die Interpretierbarkeit der Welt und gleichzeitig deren Verschattung und Opazität ausstellt.

Während seiner Zeit als Junior Researcher in Residence am CAS wird Kay Wolfinger ein Teilprojekt innerhalb seiner Habilitationsschrift verfolgen, das den Fokus konkret auf historische Konstellation in München nach 1900 legt und darum den Geisterkontakt, den Spiritismus und die Séance, mithin die so bezeichnete Geisterszene, in den Blick nimmt. Unter dem Titel "Die Medien der Parapsychologie. Eine Münchner Kulturgeschichte" widmet es sich dem Zeitraum 1880-1920 in der Münchner Kulturgeschichte. Hierzu wird das Projekt der beschriebenen Geisterseherei nicht nur topographisch auf den Münchner Kultur- und Literaturraum limitiert, sondern durch den temporalen Fokus auch zum einen beschränkt, zum anderen jedoch für die den Okkultismus und die Geisterseherei relevante Zeitspanne und das dazugehörige Personal geschärft. Der Visiting Fellow Stefan Andriopoulos wird an einem Workshop zum Thema des Geistersehers teilnehmen; mit ihm wird Kay Wolfinger darüber hinaus das Thema medienhistorisch und -theoretisch vertiefen.

Visiting Fellows

Veranstaltungen