Center for Advanced Studies LMU (CAS)
print

Links und Funktionen
Sprachumschaltung

Navigationspfad


Inhaltsbereich

Dr. Jenny Willner

Sommersemester 2018

Jenny Willner – PortraitJenny Willner ist Akademische Rätin auf Zeit am Institut für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der LMU München. Sie hat Germanistik und Philosophie studiert und wurde 2012 am Peter Szondi-Institut an der FU Berlin mit der Studie "Wortgewalt. Peter Weiss und die deutsche Sprache" promoviert.

Photo: Helena Heilig

Ihr Habilitationsprojekt trägt den Titel "Neurose und Evolution" und behandelt Entwicklungsnarrative zwischen Psychoanalyse, Biologie und Literatur. Darin wird zunächst die Darwin-Rezeption durch Ernst Haeckel und Wilhelm Bölsche einer literaturwissenschaftlichen Stilanalyse unterzogen. Vor diesem Hintergrund rekonstruiert die Studie ein psychoanalytisches Gegennarrativ zum kulturell wie politisch höchst einflussreichen evolutionsmonistischen Diskurs: Sigmund Freuds Auseinandersetzung mit primitiv organisierten Lebewesen wird als radikale Resignifizierung teleologischer Evolutionsnarrative lesbar. In intensivem Austausch mit dem ungarischen Psychoanalytiker Sándor Ferenczi experimentiert Freud mit der Denkfigur einer neurotisch strukturierten Evolution: Das teleologische Prinzip der Höherentwicklung wird hier durch die Vorstellung eines neurotisch strukturierten Kompromisses zwischen Regressionstrieb und Abwehr desselben ersetzt. Was bedeutet es jedoch genau, die Biologie als Disziplin, oder gar – wie bei Ferenczi – das organische Leben selbst zu psychoanalysieren? Und inwieweit lassen sich diese Fragmente einer Neurosenlehre der Evolution für die Gegenwart fruchtbar machen? Gerade dort, wo sich die Psychoanalyse scheinbar am weitesten von den Anliegen der Sprache und des Sozialen entfernt, im Diskurs über Einzeller und Meeresorganismen, zeigt sich – mit literaturwissenschaftlicher Methode analysiert – ihre politische Relevanz.

Während ihrer Zeit als Junior Researcher in Residence am CAS wird Jenny Willner das Projekt einer "Bioanalyse" untersuchen, das Freud und Ferenczi miteinander verband. Thematisch etwas breiter angelegt ist der interdisziplinäre Workshop über Ferenczi, der nach literatur- und kulturwissenschaftlichen Lesarten des ungarischen Psychoanalytikers fragt.

Veranstaltungen