Center for Advanced Studies LMU (CAS)
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Vier Rituale, drei Lokalgemeinschaften und ein König. Ethnizität, Religion und Politik im indischen Hochland

Referent: Prof. Dr. Peter Berger | Moderation: Prof. Dr. Frank Heidemann

19.05.2015 um 18:15 Uhr

Während viele Menschen in Europa Rituale eher als Dekoration verstehen, hängen sie in vielen anderen Gegenden der Welt mit den elementaren Bedingungen des Menschseins und der Vergesellschaftung zusammen. Rituale konstituieren die Person, garantieren Gesundheit, organisieren Politik, produzieren Identität und verhandeln die Beziehung von Mensch und Umwelt. Das am CAS durchgeführte Forschungsprojekt, das im Vortrag in Auszügen vorgestellt werden soll, vergleicht vier große Ritualkomplexe im mittelindischen Hochland. Diese vier Rituale stellen in der Region gleichsam kollektive Signaturen dar, sie beziehen sich auf drei ethnische Gruppen des Hochlandes (Gadaba, Joria und Mali) und auf den (ehemaligen) König. In einem lokalen Sprichwort zusammengefasst stellen diese vier Rituale zusätzlich quasi eine rituelle Definition der Region dar.

Das Forschungsprojekt untersucht zunächst die Struktur und Bedeutung der einzelnen Rituale und setzt sie im zweiten Schritt in Beziehung zueinander. Was haben die Rituale gemein, wie wird die Beziehung zwischen ritueller Praxis und Ethnizität jeweils konstituiert? Inhaltlich erscheinen die Rituale auf den ersten Blick sehr unterschiedlich und weisen allerlei vermeintliche Kuriositäten auf. In dem Ritual der Gadaba werden die Seelen der rezent Verstorbenen in lebende Wasserbüffel transferiert. Eine andere Lokalgemeinschaft, die Mali, lassen Weizen im Dunkeln keimen, ein Getreide, das im Hochland eigentlich nicht angebaut wird. Die Joria inszenieren in ihrem bislang noch nicht dokumentierten Ganga-Ritual die eng mit dem König assoziierte Kastenordnung der Ebene. Zehn Tage lang spielen sie die Rollen verschiedener Kasten und scheinen selber nur in Nebenrollen vorzukommen. Das Ritual endet in einem aufwendigen Stelzentanz der Mitglieder der höchsten Kaste, ein Tanz der Götter. Trotz ihrer offensichtlichen Diversität sind die Rituale auch Variationen eines Themas, der Fruchtbarkeit der Erde. Hier schließt sich die lokale Bedeutung des Königs an, der, gleichermaßen Gottheit, aus der Erde geboren wurde.

Peter Berger ist Associate Professor für Indische Religionen und Religionsethnologie an der Universität Groningen. Im Sommersemester 2015 hält er sich als Visiting Fellow am CAS auf.

Ort und Anmeldung

CAS, Seestraße 13, 80802 München
Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Wenn Sie Interesse an unserer Veranstaltung haben, bitten wir Sie sich mit uns in Verbindung zu setzen:
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