Center for Advanced Studies LMU (CAS)
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Ordnungen des Wissens - Raimundus Lullus’ "Baum des Wissens" im Signet des CAS

Von den Bäumen des Paradieses bis zu den genealogischen Tafeln der Adelsgeschlechter , vom Klassifikationsschema des Porphyrios bis zu den Wissensbäumen der frühen Neuzeit und deren jüngsten Abkömmlingen in Genetik und Informatik: Der Baum ist in der abendländischen Ikonographie eine beherrschende Figur, und seine Form erlaubt es, die unterschiedlichsten Arten von zeitlichen oder kausalen Zusammenhängen bildhaft darzustellen. "Abstammungsbäume ordneten die Welt", so schreibt der Kulturhistoriker Thomas Macho, "indem sie ihr einerseits ein temporales Rückgrat verliehen, andererseits die Gattungen und Arten des Seins hierarchisch zu differenzieren versuchten." Seit dem paradiesischen Baum der Erkenntnis bleibt bei aller Formenvielfalt ein Bedeutungsfeld zentral, nämlich das des Wissens: Welcher Ordnung folgt es, wie hängen die verschiedenen Bereiche des Wissens zusammen, und wie kann man neu entdeckte Wissensbereiche mit den bestehenden Schemata erfassen?

Das Center for Advanced Studies greift in seinem Signet die Darstellung des Wissensbaumes im Werk des katalanischen Philosophen Raimundus Lullus (1232-1316) auf. Lullus hatte mit seiner Ars magna eine Mechanik entwickelt, die es erlauben sollte, mittels einer Reihe von Grundbegriffen und ihrer Kombination das gesamte System der Wissenschaften zu kategorisieren. Hierfür verwendete er unterschiedliche neue Darstellungsmethoden wie die konzentrische Anordnung von Kreissegmenten oder die Kombination geometrischer Figuren, die jeweils gegeneinander dreh- bzw. verschiebbar waren. In dem um 1295 verfassten, umfangreichen Werk Arbor scientiae greift er die zu seiner Zeit schon verbreitete Gestalt des Wissensbaumes auf, um das Verständnis seiner Ars zu erleichtern. Genauer handelt es sich bei diesem Werk, um es mit der Historikerin Frances A. Yates zu formulieren, um einen ganzen Wald des Wissens. Denn es besteht nicht nur aus einem einzigen, sondern aus sechzehn einzelnen Bäumen, die jeweils einzelne Wissensbereiche systematisieren und dennoch in ihrer Zusammengehörigkeit die Gesamtheit des Wissens repräsentieren - Gott und Mensch, Natur, Kunst und Wissenschaft. Auf diesen Einheitsgedanken verweist der Singular Arbor im Titel des Werkes.
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